„Nachtwachen“ von Tim Steinke

Der Komponist Tim Steinke (*1980) hat im Auftrage des Vereins kammermusik heute e.V. die Komposition „Nachtwachen“ für Oktett geschrieben.

Über seine Komposition schreibt er: Die „Nachtwachen“ von Bonaventura, 1804 erschienen, werden als Schlüsselroman der Frühromantik angesehen. Das Werk gliedert sich in 16 Episoden, die als Nachtwachen bezeichnet werden und in der sich der Protagonist der Handlung vielfältige Gedanken zur Sinnlosigkeit des Daseins, der Wissenschaft, der Religion und der Kunst macht. Hierbei wechseln stets unterschiedliche Textformen miteinander ab (Gedicht, Briefwechsel, Rede, Bildbeschreibung, Theaterstück), wodurch eine durchgehende Erzählstruktur ständig durchbrochen wird.

Hauptfigur des Romans ist ein Nachtwächter, der auf seinen nächtlichen Streifzügen auf unterschiedliche Gestalten, Gespenster, Dämonen etc. trifft. Hierbei werden auch Motive wie Teufelspakt, Mord und Eifersucht von Bonaventura aufgegriffen. Der gesamte Roman gehört somit durch seine düstere Atmosphäre, den grotesken Überzeichnungen und seinen nihilistischen Tendenzen, der so genannten schwarzen Romantik an.

Mein Oktett greift fünf Episoden dieses Romans auf. Begreiflicherweise geht es mir nicht darum, die Handlung der Episoden detailliert in Noten zu übertragen. Die Bezeichnungen der Sätze dürfen nicht als programmatische Festlegungen verstanden werden, sondern als poetische Fingerzeige für den Spieler wie für den Hörer zur Verdeutlichung der musikalischen Charaktere.

Das Werk unterteilt sich in fünf Sätze (Eingang – „Die Nachtstunde schlug; …“; Das Leben eines Wahnsinnigen als Marionettentheater; Die Winternacht – Der Traum der Liebe; Die Brüder; Epilog – „Drüben auf dem Grabe steht noch der Geisterseher …“). Verbindendes Element aller Sätze ist das Signal des Nachtwächters, welches zu Beginn des ersten Satzes vom Horn geblasen wird.“

Dauer: ca. 40 Minuten.




Kammermusik von Jan Müller-Wieland

Jan Müller-Wieland war der erste Komponist, der über den Verein kammermusik-heute e.V. einen Kompositionsauftrag für das ENSEMBLE ACHT erhielt. Im Jahre 2000 entstand auf diese Weise die Wandererfantasie „Vagabondage“ für Oktett.

Mittlerweile umfasst das Werkverzeichnis des Komponisten allein über 80 Kammermusikstücke, und Müller-Wieland gilt als einer der profiliertesten Künstler seiner Generation. In der Saison 2012/13 ist Jan Müller-Wieland nun composer in residence des Vereins kammermusik-heute. Ein freudiges Wiedersehen und eine großartige Gelegenheit für den Komponisten und das Ensemble, sich nach über einem Jahrzehnt erlebter musikalischer Erfahrungen erneut in intensiven Probenphasen auszutauschen.

In der Konzertreihe im Jenisch-Haus wird in vier Doppelkonzerten jeweils ein Werk von Müller-Wieland auf dem Programm stehen. Das ENSEMBLE ACHT wird „Vagabondage“ und die Uraufführung des dem Ensemblefagottisten und ARD-Preisträger Christian Kunert auf dem Leib geschriebene Werk „Lockgesang“ für Fagott und Streichtrio beitragen.